Rezensionen

 



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Jim Malcolm (Schottland) - Stepandia Borisova (Jakutien) und Pavel Fajt (Tschechien)

Jim Malcolm (Scotland)
Cafe International, GREND, Essen, 2. Mai 2003

Folk-Musiker aus Schottland - eine der besten Stimmen des schottischen Folk, Solo-Künstler sowie auch Lead-Sänger der schottischen Gruppe " Old Blind Dogs".
Nachdem wir ihn Mai 2003 im Cafe International in Essen live erlebt haben, können wir hinzufügen das Jim Malcolm nicht nur ein hervorragender Musiker ist sondern auch eine große Persönlichkeit hat, ein wahrer Künstler, ein hervorragender Botschafter Schottlands. Die Art Mensch, mit der man gerne mal über Gott und die Welt plaudern möchte... am besten natürlich bei einem oder mehreren Dram gutem schottischem Single Malt Whisky...

Internet: www.jimmalcolm.com

 

Schottische Folk Musik - da wußte ich nicht allzuviel darüber vor diesem Abend, um ehrlich zu sein. Ich mag Folk, ich mag schottischen Whisky (um genauer zu sein, Single Malt - und um ganz genau zu sein - Glenmorangie und Laphroaig...) - aber das war so ziemlich mein Bezug zum Thema Schottland... OK, ich weiß auch ein bisschen über schottischen Fußball und über die schottische Geschichte - und was ein Dudelsack ist...
OK... 2. Mai 2003, Cafe International im GREND in Essen. Heute abend ist Jim Malcolm zu Gast, aus Schottland, ein schottischer Folk-Sänger. Wie üblich waren wir etwas früher da um noch gute Plätze zu erwischen - aber diesmal sind doch ziemlich wenig Leute gekommen. Liegt wohl am Brückentag... Ich gehe einer meiner Lieblingsbeschäftigungen nach - Leute beobachten... und versuche, mir eine Geschichte über sie auszudenken. Am Nebentisch sitzt ein junger Mann den wir hier noch nicht gesehen haben - wir kommen ziemlich regelmäßig ins Cafe, und früher oder später kennt man die meisten Gesichter hier... Dieser Mannmacht irgendwie einen sehr konservativen Eindruck... sein Gesichtsausdruck, seine Kleidung. Ich frage mich was ihn wohl dazu bewegt haben mag, hierher zu kommen... einige Zeit später werde ich die Antwort herausgefunden haben.
Ein schweigsamer Mann in schwarzer Kleidung kommt ab und zu durch den Saal, geht auf die Bühne, kommt wieder herunter... könnte Jim Malcolm sein, sieht dem Photo im Programm ähnlich. Es ist kurz nach 20 Uhr, der Mann in Schwarz geht wieder auf die Bühne, nimmt das Mikrofon in die Hand... und spricht Deutsch! Nicht perfekt... aber viel besser als wir es erwartet hatten und als er selbst glaubt! Der Boss des Ladens kommt auch auf die Bühne, und in seiner kurzen Vorstellung sagt er, es täte ihm leid das nicht mehr Zuschauer da wären, denn die nicht gekommen sind wüßten nicht was sie verpassen würden - wie recht er hatte, sagen wir nach dem Konzert!
Jim Malcolm fängt an zu singen... es muß keltische Magie im Spiel sein - nach 2-3 Liedern hat er das Publikum fest im Griff. Uns auch. Und der Mann neben uns... lächelt! Jim lächelt auch... ich glaube, er kann es spüren das das Publikum ihm folgt. Egal wohin.
Pause. Die meisten Künstler - auch hier im GREND, Cafe International, nutzen die Pause zum Ausruhen - nicht so Jim! Er bleibt im Saal, unterhält sich mit den Leuten, signiert seine CDs. Der konservative junge Mann unterhält sich lange mit Jim - er scheint ein echter Schottland-Insider zu sein...
Der zweite Teil des Abends beginnt. Jim singt ein paar schottische Klassiker und ein paar seiner eigenen Lieblingssongs. Robert Burns! Der - "ehemals konservative" - junge Mann wird zum Leadsänger - und er scheint der einzige im Saal zu sein, der tatsächlich die Texte der alten Robert Burns Songs auswendig kennt! Und jetzt lächelt er nicht mehr -er lacht!
Jetzt hat uns Jim wirklich fest im Griff und in seinen Bann gezogen. Er kann auf uns -dem Publikum - fast genau so gut spielen wie auf seiner Gitarre und Mundharmonika. Wir klatschen, singen, hören zu... lachen, werden melancholisch... fühlen uns einfach wohl.
Aber die Zeit bleibt nicht stehen... und wie alle glücklichen Momente im Leben ist auch dieser nur ein Moment - der Abend geht viel zu schnell vorbei. Aber nicht so schnell wie Jim dachte... dreimal bringen wir ihn zurück auf die Bühne.... und wenn er uns nicht vorher gesagt hätte, daß er nach dem Konzert sofort ins Bett muß weil er am nächsten Morgen eine lange Autofahrt nach Leipzig vor sich hat, hätten wir ihn noch lange nicht gehen lassen!
Als wir dann gegangen sind, stand Jim immer noch an der Tür, signierte CDs und verabschiedete sich mit Handschlag von seinen Zuhörern... wir danken ihm für einen wundervollen Abend, und wünschen ihm eine gute Fahrt am nächsten Tag. Und gehen mit dem unbestimmten Gefühl, da wären noch ein paar Dinge die wir ihm sagen hätten sollen, and sagen hätten wollen... Das ist der Mensch und Künstler Jim Malcolm. Wir werden mit Sicherheit da sein, wenn wer wieder in die Gegend kommt... und hoffen, ihn bald wiederzusehen!

Stepandia Borisova (Jakutien) und Pavel Fajt (Tschechien) - Cafe International, GREND, Anfang März 2003 Die Sängerin Stepandia Borisova gehört dem türkischen Volk der Sakha an, deren Religion der Schamanismus ist. Pavel Fajt ist ein hervorragender Jazztrommler, der aber auch den Crossover zur elektronischen Musik nicht scheut. Etwas Besonderes - gewöhnungsbedürftig für das Publikum allemal, aber wer sich darauf einließ war begeistert.Es ist schon unglaublich, wozu die menschliche Stimme fähig ist...die Sängerin sang durchgehend jakutisch, also in einer Sprache die niemand im Publikum verstand - aber dies schien keine Rolle zu spielen.Die Mimik und die Gestik der Sängerin waren derartig aussagekräftig das wohl jeder mitbekommen hat, das da vorne auf der Bühne nicht bloß gesungen wurde sondern Geschichten erzählt wurden - im traditionellen Sinne, wie früher wohl am Lagerfeuer... mal Vogel, mal alter Schamane... die Wandlungsfähigkeit der Sängerin ist verblüffend...Pavel Fajt ist ein hervorragender Musiker, der am Schlagzeug (Marke Eigenbau - sieht man auch selten...) nicht bloß den Rhytmushintergrund liefert, sondern selbst zum gleichberechtigten Akteur wird und seine eigenen Geschichten erzählt... aber auch sehr einfühlsam die Geschichten der Sängerin begleitet, ja soger mit-erzählt. Und nicht zu vergessen - das Publikum - mit einigen wenigen Ausnahmen waren alle früher oder später in den Bann gezogen von dem Geschehnis auf der Bühne. Die wenigen Ausnahmen waren bloß gelangweilt und schauten etwas verstört in die Gegend... aber Ausnahmen bestätigen ja eh meist die Regel...

 

   
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